De:Bug (Germany)
Eine meiner Lieblingshits, die man auch mal im Musikfernsehen bestaunen konnte
ist Being Boring von den Pet Shop Boys. Ich gebe das nicht gerne zu, so als
seriöser elektronische Musik Hörer. Der Track und das
dazugehörige Video im leicht schwulen Adoleszenzromantisierungsstyle bei
dem eigentlich nur Bruce Webber Regie geführt haben kann, sind von einer
Melancholie in ihrer Verklärung von Jugend und Jugendlichkeit, das man
insgeheim auch hofft mal so gut auszusehen wie die ganzen Jungs, die da in dem
Video um den Swimmingpool rumspringen. Eben der Schaum aus dem die Popträume
sind, und das ganz oben auf der nach oben offenen Popintensitätsskala.
Schnitt. Mehrere Jahre später. City Centre Offices, ein Label aus Berlin
und Manchester, das wohl kaum die Kapazitäten für eine Videoproduktion
haben dürfte, was ungerecht ist, da solche Musik in die Heavy Rotation
muss, veröffentlichen Musik, die keinen Genrenamen hat, weil sie das nicht
braucht, und im Grunde sowieso Pop ist bzw. so anfühlt. Der aktuelle
Release von den beiden Kanadiern Solvent und Lowfish hat ähnliche
narrative Qualitäten wie eben die Pet Shop Boys in ihren besten Momenten,
und schafft es mit völlig andern Mitteln mindestens genauso schöne
Popmusik zu schaffen, der sich nicht mal ein Stück Blei verschliessen
könnte. Die Tracks Duckie und Glued Smile warten mit einer so geballten
Ladung Emotionalität zwischen den krakeligen Beats auf, dass man in eine
solche Verwirrung gestürzt wird, und nicht mehr so genau weiss, warum man
jemals all das kühle Maschienenzeugs gehört hat. Mit einer beiläufigen
Eleganz werden Geschichten erzählt, die einem in Erinerungen schwelgen
lassen und das Lächeln im Gesicht kleben bleibt, wie die Platte auf dem
Teller. Wunderschön, Danke. 5/5
Felix
De:Bug (Germany)
One of my fav' hits you could also see on MTV was 'Being Boring' by the Pet
Shop Boys. A bit hard to admit that, because I consider myself to be a serious
fan of electronic music. The track and the video, placed in the slightly gay
adult romantic lifestyle (the only possible director is Bruce Webber) are full
of this certain melancholy of youth. You want to look as good as the boys in
the video. This is what pop dreams are made of. Cut. A couple of years later.
City Centre Offices, a label from Berlin and Manchester, which probably cannot
afford to shoot a video, which of course is not right, because such music has
to be on the heavy rotation. This is music without a genre name, because it
doesn't need one and because it feels like pop anyway. The two Canadians
Solvent and Lowfish have comparable narrative qualities as the Pet Shop Boys in
their best moments and manage to create pop music which is at least as good.
Duckie and Glued Smile are loaded with emotions in between the beats that one
is really confused and unsure, why one ever listened to cold machine music.
Solvent and Lowfish tell you elegant stories that make you smile and let you
think of memories. Wonderful, thank you. 5/5
Felix
De:Bug (Germany)
Endlich die "dritte" Single des grossartigen Heimwerker Labels aus Berlin.
Solvent und Lowfish von Suction Records bestreiten die Single zu gleichen
Teilen, weil sie noch nicht Hals über Kopf verstritten sind, sondern
verliebt in das Plinkern der guten Christenheit und ihrer Versinnbildlichung
ohne Gleichen, dem Keyboard. Solvent, wenn ich "Duckle" auf 45RPM richtig
verstehe, nee, tu ich nicht, also von vorn. Wenn ich nun "Duckle" viel duckiger
richtig verstehe, dann handelt es sich hier um die Lebensgeschichte von Chris
Duckle, Glasmosaikhersteller gothischer Provenienz und Lebensdauer, der
für jeden Krümel grünschimmernden Glücks, das er schmolz, einen
vom Brot bekam, für die hungernden 10 Kinder, die Tag für Tag immer
weniger wurden, bis schliesslich. usw. Tragisch melancholisch barocke
elektronische Kirchen-Musik mit dezentem Popwaveeinschlag, den man nur auf 45
richtig hören, aber auf 33 als New Order on Valium geniessen kann.
Lowfisch's "Glued Smile" haben eher eine Rockperspektive im Blick mit ihren
schnatternd hecktischen Sequenzen und den leicht schmatzenden Filtern und
arbeiten an der Schnittstelle von Techno und IDM bis zum irrwitzigen Break in
die Sümpfe der elektronischen Sillicon Organik, von wo aus sie mit ein
paar der freschesten Knistersounds aufwarten, die mir seit einiger Zeit
begegnet sind. Musik für die Schnittmenge aus X-Wingfightermechanikern
und Schmetterlingsfängern. 5/5
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